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ЮNICODE Keyboard Enhancer (ЮNIK)

Eingabe von Unicode-Zeichen in Windows

Problemstellung

Manchmal entsteht Bedarf, regelmäßig bestimmte Zeichen einzutippen, die auf der zur Verfügung stehenden Tastatur fehlen. Man hat z.B. eine deutsche Tastatur, will aber auch spezifische französische Zeichen tippen. Oder man braucht häufiger Zeichen für nach heutigen Maßstäben sicherere Währungen, wie etwa Dong (₫) oder Colón (₡), oder bloß die Zeichen, die einen eigenen Text etwas anspruchsvoller erscheinen lassen, z.B. die spitzen Anführungszeichen: «, ». Apropos, die einfachen spitzen Anführungszeichen sind nicht die Zeichen «kleiner als» (<) und «größer als» (>), sondern: ‹, ›.

Die klassischen und einfachen Methoden, dies entweder anhand (1) der mit Windows gelieferten Zeichentabelle (Copy+Paste) oder (2) durch das Tippen der Tastenkombination aus <Alt>+<Zeichencode> (der Zeichencode muß auf der Zahlentastatur eingetippt werden; bei Notebooks, die diese oft nicht haben, wird sie mithilfe von der Taste Fn emuliert) zu bewerkstelligen, sind zu aufwendig. Das Umschalten auf eine andere Tastaturbelegung wird auch nicht alle zufriedenstellen, weil dabei in aller Regel mehrere Zeichen ihre Positionen wechseln: Vergleichen Sie mal eine deutsche und eine französische Tastatur.

Mögliche Lösungen

Ganz anders wäre es mit der Verwendung von Schnelltasten (hotkeys) in der Form, daß man für jedes gewünschte, aber fehlende Zeichen eine Tastenkombination hat, die aus einer bzw. einiger Modifizierertaste(n) und einer Zeichentaste besteht. Z.B. die Kombination aus <Modifizierer>+<C> generiert den französischen Buchstaben «ç», <Modifizierer>+<Umschalt>+<C> – «Ç», usw. Diese kurzen Tastenkombinationen verlangsamen das Tippen nur unerheblich.

Ein solches Verhalten der Tastatur kann man auf mehrere Art und Weise erreichen. Zum einen kann man Macros programmieren, was in einigen Anwendungsprogrammen (OpenOffice, Notepad++, etc.) möglich ist. Zum anderen kann man die Aufgabe «global» lösen, indem man ein Programm schreibt, welches aus den vom Nutzer definierten Tastenkombinationen x-beliebige Zeichen macht.

Wie oft, haben beide Wege Vorteile und Nachteile. Ein Vorteil des Macro-Weges besteht in seiner Einfachheit: Dafür muß man das Programmieren nicht können. Außerdem gelten die Änderungen nur für die betroffenen Anwendungsprogramme, so daß die Auswirkungen auf den Rest des Computersystems in aller Regel ausbleiben. Dies ist aber zugleich ein Manko, denn man muß Macros für jedes Anwendungsprogramm extra (auf)schreiben. Eines Tages hat man keine Lust mehr. Eine Vereinheitlichung der Nutzer-Schnittstelle, d.h. der Tastenkombinationen, ist dabei zwar möglich, hat aber ihre Grenzen.

Was den zweiten Weg betrifft, gibt es auch hier Varianten. Eine radikale besteht darin, einen eigenen Tastaturtreiber (bzw. ein Tastaturlayout) zu kreieren, wofür das kostenlose Tool Microsoft Keyboard Layout Creator benutzt werden kann: http://msdn.microsoft.com/en-us/goglobal/bb964665.aspx. Die Methode ist dann zu empfehlen, wenn der Satz von benutzten Zeichen über längere Zeit hinweg konstant bleibt. Sollte Bedarf an regelmäßigem Ausprobieren und ggf. Hinzufügen von neuen Zeichen bestehen, kann man sich das unten vorgestellte freie Programm ЮNICODE Keyboard Enhancer (ЮNIK) näher anschauen. Auf der Achse «Sauberkeit und Reichweite der Lösung» befindet es sich irgendwo zwischen Macros in einzelnen Anwendungen und einem neuen Tastaturtreiber.

Betriebssysteme aus der Familie UNIX/Linux bieten ebenfalls einen Mechanismus der Zuordnung von Zeichen zu physischen Tasten (Stichwörter: xmodmap, xkb).

Auf den ersten Blick

Die Funktionalität von ЮNIK kann man kurz als «dritte» (oder «zweite», wie man zählt) Umschalttaste umschreiben. Nach einer Modifikation der Windows-Registry und dem Starten von ЮNIK kann die spezielle, ЮNIK-bezogene Modifizierertaste in Kombination mit Zeichentasten zum Generieren von x-beliebigen Zeichen aus dem Set Unicode-16 verwendet werden. Unicode-16 enthält knapp 65 K von Zeichen, darunter fast alle zusätzlichen Zeichen von Alphabeten, die als Grundlage das lateinische Alphabet haben, Kyrillische Buchstaben, Arabisches, Indische Alphabete, DOS-Pseudographik, die Währungszeichen und vieles mehr.

Zeichentabelle

Das Windows-Tool Zeichentabelle vermittelt den ersten Eindruck vom Reichtum von Unicode. Zu diesem Zweck sollte man eine Schrift wählen, die mehr Zeichen hat, z.B. Lucida Sans Unicode oder Arial Unicode MS.

Installation des Programms

Die Dateien, die den Lieferumfang von ЮNIK bilden, sind als zip-Archiv zum Herunterladen bereitgestellt:

VersionDateigrößeBetriebssystemPlattform
1.01100 KWindows XP, Vista, 732-Bit
unik.zip
1.01109 KWindows 764-Bit
unik64.zip

Vorsicht!Die 64-bittige Version von ЮNIK wurde für Windows 7 kompiliert und funktioniert ausschließlich mit ebenfalls 64-bittigen Anwendungen. Die anschließend angeführten Ausführungen und Dateinamen gelten sowohl für die 32-bittige als auch für die 64-bittige Version, soweit dies der erwähnten Einschränkung nicht widerspricht.

Registry ändernUm das Programm verwenden zu können, muß man zuerst eine Taste in den ЮNIK- bezogenen Modifizierer umwandeln. Grundsätzlich kann dafür jede Taste genommen werden, die einen eigenen Scancode hat. Da diese Taste nach der Umwandlung ihre ursprüngliche Funktion verliert, macht es Sinn, eine wenig benutzte oder doppelt vorhandene Taste zu nehmen. Es kann z.B. eine der folgenden Tasten sein: (1) Linke oder (2) rechte Windows-Logo-Taste, (3) Anwendung/Kontextmenü, (4) rechte Strg. Die Umwandlung wird durch die Modifizierung des entsprechenden Eintrages in der Windows-Registry durchgeführt. Falls Sie eine der oben genannten Tasten nutzen möchten, können Sie dafür das mitgelieferte Tool install.exe einsetzen. Wichtig: Unter Windows Vista oder Windows 7 muß install.exe mit Administratorrechten ausgeführt werden. Nachdem die Taste «Ändern» gedrückt wird, muß der Rechner neu gestartet werden.

Das Tool install.exe kann auch dazu verwendet werden, das ЮNIK in die Liste von Programmen aufzunehmen, die jedesmal beim Hochfahren von Windows automatisch ausgeführt werden. Ob Sie das tun werden oder nicht, ist alleine die Frage des Gebrauchskomforts, weil das ЮNIK jederzeit manuell gestartet und beendet werden kann. Es muß darauf hingewiesen werden, daß install.exe eine beschränkte Funktionalität hat und nur Standardaufgaben erledigt. Falls auf Ihrem Rechner bereits ein kompliziertes Tasten-Umwandlungs-Schema besteht, kann es vorkommen, daß die Registry manuell oder mit einem speziellen Programm modifiziert werden muß. Die dafür notwendigen technischen Details sind in der Datei readme_d.txt enthalten.

Benutzung des Programms

Nachdem die Datei unik.exe gestartet wird, erscheint im Systemtay (standardmäßig in der rechten unteren Ecke des Bildschirmes) das Programm-Icon: Der Buchstabe «Ю Umlaut/Trema» auf rotem Hintergrund. Um das gewünschte Zeichen einzutippen, muß man auf die vorher gewählte und umprogrammierte Modifizierertaste drücken und ohne diese loszulassen auf die Zeichentaste, die nach dem Zuordnungsschema als Auslöser dient.

Das Programm überprüft nicht, ob die Modifizierertaste überhaupt besteht, worum sich der Nutzer selbst kümmern soll. Dafür kann man das Tool KeyCode.exe einsetzen: Nach der Betätigung der Modifizierertaste muß im rechten Teilfeld «Virtual-key Code» der Wert «125» erscheinen.

Einstellungen

ЮNIK im TrayNachdem das Programm-Icon mit der rechten Maustaste angeklickt wird, erscheint ein Menu mit drei Positionen. Der Befehl «Config» startet das Dialogfenster, in welchem bestehende Zuordnungen angezeigt, modifiziert und gelöscht sowie neue angelegt werden können.

In das Feld (genauer: Felder) «Input» werden die Daten über das Zeichen eingetragen, welches auf der Tastatur eingetippt wird und als Auslöser dient. In das Feld «Output» werden die Daten über das Zeichen eingetragen, welches am Zielort (Anwendungsprogramm, etc.) eingefügt werden muß. Die einstelligen Felder zeigen die Zeichen selbst, während die vierstelligen Felder deren Codes nach Unicode-16 enthalten. Man kann sowohl die Zeichen selbst als auch deren Codes eintragen. Dabei wird jeweils das andere Feld automatisch aktualisiert. Die Eintragung kann über die Tastatur oder durch das Einfügen aus dem Zwischenspeicher erfolgen. Codes können der Windows-Zeichentabelle entnommen werden oder anderen Quellen über Unicode-16 wie z.B.: http://unicode.org/charts/, http://www.utf8-chartable.de/ oder http://www.alanwood.net/unicode. Wenn Ihr Browser ein interessantes Zeichen gezeigt hat, können Sie es in den Zwischenspeicher kopieren und dann in das einstellige Feld «Output» einfügen.

Programmeinstellungen

Welche Zeichen direkt über die Tastatur eingetippt werden können, kommt auf die Tastatur bzw. die Tastaturbelegung an. So hat die US-Amerikanische Tastatur (QWERTY) keine Tasten für Umlaute und Eszett oder das Paragraphenzeichen, so daß diese Zeichen dann in aller Regel nur in Feldern «Output» Sinn haben. Dagegen können Umlaute bei Verwendung einer deutschen Tastatur durchaus sinnvoll im Feld «Input» als Auslöser für andere Zeichen eingesetzt werden.

Russische TastaturbelegungHier ist eine wichtige Bemerkung notwendig. ЮNIK arbeitet mit Symbolen/Zeichen und nicht mit Tasten. Mit anderen Worten, wenn man in das Feld «Input» das Zeichen «ü» gesetzt hat, dann wird die gewünschte Operation – vorausgesetzt, die deutsche Tastaturbelegung ist eingestellt – durch die Betätigung der Taste rechts von der Taste «P» ausgelöst. Wenn die physische Tastatur ebenfalls deutsch ist, trägt diese Taste das Zeichen «Ü», während die US-amerikanische Tastatur zwei andere Zeichen, nämlich «{» und «[» hat, was in diesem Fall (nochmals: deutsche Tastaturbelegung) aber absolut irrelevant ist. Wenn Sie möchten, daß ein bestimmtes Zeichen mit einer und derselben Taste ohne Einfluß der gewählten Tastaturbelegung generiert wird, muß man unter Umständen mehrere Zuordnungszeilen bestimmen. Daran besteht kein Bedarf für die Tasten, die stets gleiche Zeichen generieren, wie z.B. die 24 Tasten mit lateinischen Buchstaben in der deutschen und der US-amerikanischen Belegung. Man sollte auch nicht vergessen, daß große und kleine Buchstaben verschiedene Zeichen sind. Anders als in der rechten Spalte (bzw. Spalten) sind Doppeleinträge in der linken Spalte sinnlos, da stets nur der erste Eintrag ausgeführt wird.

Nachdem die gewünschten Parameter in Edit-Felder eingetragen worden sind, muß diese Wahl durch die Taste «Change» bestätigt werden (dabei werden die Daten aus den Edit-Feldern in die Liste übertragen). Die Änderungen werden wirksam, nachdem das Dialogfenster geschlossen wird, falls sie vorher mit der Taste «Save» gespeichert wurden. Die Information über das Zuordnungsschema wird in der Datei unik.ini gespeichert, welche auch manuell bearbeitet werden kann (vgl. readme_d.txt).

Arbeit unter Linux

Expand me: Wine/Ubuntu ScreenshotVersuche haben demonstriert, daß ЮNIK auch unter Wine/Linux funktioniert. Die Modifizierertaste muß mit dem bereits erwähnten Befehl/Tool xmodmap gewonnen werden. Die folgenden Befehle machen aus der linken Windows-Logo-Taste die Modifizierertaste:
   xmodmap -e "remove mod4 = Super_L"
   xmodmap -e "keysym Super_L = F14"

Der Rest unterscheidet sich nicht von der Arbeit unter Windows.

Freilich können Zeichen nur in andere Windows-Anwendungen eingefügt werden, die ebenfalls unter Wine laufen, z.B. Notepad++. Der Austausch von Einzelzeichen sowie Textabschnitten zwischen Windows- und Linux-Anwendungen kann über die Zwischenablage (clipboard) mithilfe Standardbefehle jeweiliger Anwendungen vorgenommen werden (z.B. <Ctrl>+<C>/<V>). Die leeren Edit-Felder im Programm KeyCode.exe auf dem Screenshot sind dadurch bedingt, daß Wine, zumindest in der Version 1.1.42, die Raw Input API anscheinend nicht unterstützt.

Bekannte Einschränkungen

ЮNIK ist zum Einsatz mit Windows-Programmen bestimmt, die Unicode-fähig sind. Viele alte Anwendungsprogramme, darunter insbesondere 16-bittige, die für Windows 3.xx geschrieben wurden, unterstützen Unicode nicht. Das Ergebnis des Einsatzes von ЮNIK mit solchen Programmen kann nicht vorhergesagt werden, manchmal wird es positiv ausfallen, manchmal – nicht (vieles kommt auf die installierten und gewählten Fonts und Code Pages an).

Eine Besonderheit (= Manko) der aktuellen Version von ЮNIK besteht darin, daß das Dialogfenster «Config» nicht alle Unicode-Zeichen anzeigen kann. Betroffen sind dadurch exotischere Zeichen, statt welcher in den einstelligen Feldern der Liste und manchmal sogar den der Editzeile «Klötzchen» angezeigt werden können. Dies ist aber ein rein «kosmetischer» Defekt, weil in die anderen Programme der Code eingefügt wird. Solange der Code eines Zeichens korrekt bestimmt ist, muß es richtig dargestellt werden. MaW.: Der Umstand, daß ein Zeichen im «Config»-Dialogfenster nicht dargestellt wird, hat keinerlei Auswirkungen auf das Verhalten von anderen Programmen. Allerdings können sie ebenfalls Unicode-Zeichen in verschiedenem Umfang darstellen. Eine Rolle spielt auch, welche Varianten von Schriften auf dem Rechner installiert sind. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, daß die Internet-Browser über das breiteste Spektrum von darstellbaren Zeichen verfügen.

Vorsicht!Die Einstellungen von ЮNIK sind in der Datei unik.ini gespeichert. Falls die Sicherheitsregeln, die für den Computer gelten, den Zugriff – Lesen und/oder Schreiben – auf Dateien einschränken, wird die Ausführung der dadurch betroffenen Funktionen des Programms verhindert oder manipuliert. Die Reaktion der «Save»-Taste gibt Feedback dazu: Deren Status wechselt im Fall einer erfolgreichen Änderung der ini-Datei von aktiv/«clickable» auf abgeschaltet/grayed.

Haftungsausschluß

Obwohl die Dateien, die den Lieferumfang von ЮNIK ausmachen, ausgiebig getestet wurden, kann es nicht garantiert werden, daß sie keine Fehler enthalten. Aus diesem Grund kann vom Autor keine Garantie für die Fehlerfreiheit übernommen werden. Die Verwendung des Programms erfolgt somit auf eigene Gefahr. Kommentare und Fehlermeldungen sind erwünscht.

 

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